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Vierundzwanzig sind zu wenig

[AllesBesser] Analoge Unterhaltungselektronik

In einem Heiseartikel[1] über den Sieg der digitalen über die analoge Unterhaltungselektronik habe ich neues Futter für meine „Früher war alles Besser“-Kategorie gefunden.

Fangen wir an mit dem Walkman: Dieser Betriff ist zwar eigentlich nur ein Markenname von Sony, aber schon lange ein Synonym für einen tragbaren Kassettenspieler. Ich bin mir nicht sicher, ob man derzeit noch einen kaufen *könnte*, aber vermutlich *würde* man es nicht mehr tun, sondern sich einen mp3-Player kaufen (oder einfach den im Handy benutzen).

Das fühlt sich für Kinder von heute vermutlich ähnlich an, wie für mich damals der Umgang mit Schallplatten: Jeder hatte noch irgendwo einen Plattenspieler rumstehen, meine Eltern hatten den Schrank voll mit den schwarzen Scheiben und gekauft habe ich mir nicht eine einzige. Zwar habe ich noch einige alte Platten und meine uralte Stereoanalage hat sogar noch einen Plattenspieler, aber ich befürchte, dass die irgendwann auch das Zeitliche segnen wird. Man hört zwar immer wieder, dass insbesondere DJs noch auf die analoge Technik – z. B. zum Scatchen – stehen, aber ich glaube nicht, dass die Endgeräte für normalen Verbraucher interessant, kauf- oder bezahlbar sein werden.

Ähnliches passiert derzeit auch dem Fernseher. In meiner Kindheit habe ich mich noch über ein Schwarz-Weiß-Gerät ohne Fernbedienung mit 7 Programmplätzen gefreut. Allerdings gab es bei uns zuhause auch über Antenne auch nur die Programme ARD, ZDF, WDR und NDR – sieben Speicherplätze haben da locker ausgereicht. Irgendwann kam im terrestrischen Empfang auch noch VOX hinzu und irgendwann bekamen wir dann auch Kabelfernsehen mit den üblichen Programmen. Der damals normale Empfang über Antenne funktioniert meines Wissens inzwischen gar nicht mehr und die analogen Röhrenfernseher sind ebenfalls so gut wie ausgestorben.

Auch der Videorekorder ist tot. Schon vor längerem haben wir uns einen modernen DVD-Festplatten-Rekorder gekauft, alle „guten“ Videos auf dieses Gerät übertragen und den alten Videorekorder samt 50 Kassetten verschenkt. Vorbespielte Videokassetten gibt es heutzutage sowieso nur noch in der Ramsch-Ecke und ich habe schon länger keine Endgeräte mehr in den Elektronikmärkten gesehen. Man muss allerdings dazusagen, dass auch der DVD-Player schon wieder abgesagt ist – inzwischen muss es ja mindestens ein Blueray-Player sein …

… oder man verzichtet komplett auf den Player und holt sich die Filme über eine Online-Videothek und läd sie übers Internet herunter. Für 2-5 EUR ist dort alles zu haben und man spart sich zudem die Wege zum Abholen und Zurückbringen der Filme in die Videothek. Das Sterben der Videotheken wird noch davon unterstützt, dass es immer mehr Spielfilmsender im Fernsehn gibt, man sich per DVD-Festplatten-Rekorder eine persönliche Sammlung an Filmen aufnehmen kann, die man „irgendwann“ mal ansehen will (unser Gerät speichert bis zu 400h, wenn man auf eine schlechtere Qualität stellt, bis zu 40 in guter Qualität). Alternativ gibt es mit RTLnow und VOXnow sogar logale Ausschnitte aus derem TV-Programm kostenlos im Internet und zwar nicht nur Eigenproduktionen, sondern auch Serien wie CSI und Co.

Zu den ausgestorbenen Analoggeräten gehört sicherlich auch die Kleinbildkamera. Vermutlich kann man noch das ein oder andere Modell kaufen, aber die meisten Menschen greifen doch zur Digitalkamera. Wer würde denn heute noch eine Beschränkung auf 36 Fotos pro Film hinnehmen und statt aufs Display durch einen Sucher schauen? Klar, vielleicht der ein oder andere Profi oder Künstler, aber nicht der Massenmarkt. Früher hat man die Fotos ja auch mehr „auf Verdacht“ gemacht, musste den belichteten Film danach zum Händler bringen, der hat ihn Entwickelt (oder ins Labor geschickt) und 1-2 Tage später hat man sich seine Abzüge abholen und zum ersten mal ansehen können. Irgendwann bekam man dann einen Foto-Index zu seinen Bildern und ich glaube das war der Anfang der Digitalisierung. „Echte“ Fotos sind zwar immer noch was besonderes, aber man druckt sie sich bei Bedarf im nächst besten Fotoladen oder Drogeriemarkt aus.

Rasante Entwicklungen gab es auch mit den Handys: Mein erstes Handy (gekauft 1998) war ein S11 von Siemens. Die waren mal ganz groß (jeder hatte ein Siemens – alleine ich hatte nach dem dem S11 noch ein S25 und ein ME45). Mit dem S11 konnte man nur im E-Netz (also bei eplus) telefonieren. Dual-, Quad- oder Multiband-Handys gab es am Anfang gar nicht. Das Display war zudem winzig und konnte nur zwei oder drei Zeilen Text anzeigen. Telefonnummern speicherte man auf der SIM-Karte (die auch heute noch nicht wesentlich mehr kann, als früher) und es gab in der Handysoftware noch keine Telefonbücher mit mehreren Nummern pro Name. Klingeltöne waren vorgegeben und liesen sich nicht ändern.

Und Internet übers Handy? Fehlanzeige. Die UMTS-Lizenzen waren noch nicht für viele Milliarden versteigert worden und zuhause gab es nicht mal DSL, sondern man ging mit dem guten alten Modem (oder via ISDN) ins Internet. Der Provider hat üblicherweise nach Minuten abgerechnet (5 Pfennig pro Minute, zu Nebenzeiten vielleicht mal 3,1 Pfennig) und manchmal kamen sogar noch die Telefonkosten hinzu. AOL hat zu dieser Zeit in großem Stil seine CDs und DVDs verteilt, um Kunden zur Teilnahme am AOL-Netzwerk zu überreden. Ich habe das nie genutzt, aber soweit ich weiß hat man dann noch für die Dienste von AOL zahlen müssen (Chat, E-Mail, etc.), die es aber bereits anderweitig kostenlos im Internet gab.

[1] http://www.heise.de/newsticker/meldun…96293.html

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